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Erlkönig ist zurück

Herrschen
5. August 2018
E rlkönig ist zurück



Wer braust durch den heißen Sommerwind?
Der Manager auf Spritztour mit seinem Kind.
Im Sportcabrio durch Felder und Wiesen
Bei gleißender Hitze den Rausch zu genießen.

Mein Sohn, warum errötet dein Gesicht?
Hörst, Vater, du der Natur Herrscher nicht? -
Das sind nur ein paar vertrocknete Ähren,
Sohn, lausch lieber meinen Pferdestärken. -

„Du liebes Kind, oh wehe dir!
Fruchtbares Land zerstört ihr hier.
Die Sommer glühend heiß, die Winter lau,
Dürre, Ungeziefer, Winde wehen rau.“

Mein Vater, mein Vater, die Hitze, sie klopft,
Die Kappe riß der Erlkönig mir vom Kopf. -
Genieß den frischen Luftzug, mein Kind!
Ich geb mehr Gas für kühlenden Wind. -

„Du liebes Kind, oh wehe dir!
Verdorrte Ernten, viel totes Tier.
Wenn Papa sich nicht besinnt,
Die Not dein Leben verschlingt.“

Mein Vater, mein Vater, denkst du nicht fort?
Abgasfrevel zerstören meiner Zukunft Hort. -
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau,
Mein roter Flitzer stiehlt allem die Schau. -

„Du liebes Kind, oh wehe dir!
Hungernde kratzen an deiner Tür,
Überschwemmungen und Hitzestürme,
Peitschen in Papas Businesstürme.“

Mein Vater, mein Vater, begreifst du denn nicht,
Schmerzen und Schreie er uns verspricht? -
Mein Sohn, mein Sohn, ich bin schlau,
Fortschritt zählt, der Rest ist flau. -

„Du liebes Kind, oh wehe dir!
Naturgewalten unzähmbar Getier.
Losgetreten von Selbstdarstellers Tand,
Papas naturvergessenem Verstand.“

Mein Vater, mein Vater, halt an, sofort.
Ich mach nicht mit bei diesem Mord -
Mein Sohn, du bleibst gefälligst angeschnallt.
Tut was ich sag, sonst brauch ich Gewalt. -

„Du liebes Kind, oh wehe dir!
Naturgewalten sind mächtiger als er,
Der Misswirtschaft Ausgleich sie werden besorgen,
Dein Papa denkt nicht an Mitmensch und Morgen.“

Mein Vater, mein Vater, ich flehentlich bitt,
Beende deinen autostarken Ritt. -
Mein Sohn, was faselst du da,
Das ist mein bestes Business Jahr. -

Den Jungen grauset’s, sein Gesicht erbleicht,
Erlkönig mit Kraft zieht ihn in sein Reich.
Der Vater rast, die Tachonadel im Rot,
Der Abend neigt sich, der Junge ist tot.

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